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Samstag, 31. August 2019

MKHL ist schon 8 Jahre alt

Vor elf Jahren war ich durchs Gröbste durch, vor über 8 Jahren erschien dann das E-Book. Viel Aufregendes ist seither geschehen. Und inzwischen kannst Du MEIN KREBS HEISST LEBEN auch im Taschenbuchformat lesen. Sowohl in Deiner Buchhandlung bestellbar (in Baden-Baden hat es die Buchhandlung Straß sogar vorrätig) , als auch im Web und auch bei mir. In diesem Blog berichte ich seit einigen Jahren übers Leben. Allgemein und mit (bzw ohne) Krebs. Schön, dass Du da bist!


Bad Hair Day?

Ich kenne das. Die Haare sehen komisch aus. Man probiert neues Shampoo oder irgendwelche Pflege aus und dennoch.. Bad Hair Day. Traurig deshalb? No way! Ich liebe mein Haar - ich mochte aber auch die Glatze. Ist im Sommer echt praktisch gewesen. Zum Herbst hin wurde es etwas kühl auf dem Kopp. Aber ich sage Dir: Die Haare wachsen danach wie Unkraut :D Ich liebe Bad Hair Days!


Mittwoch, 28. August 2019

Torte und Worte

Torte. Ich konnte während der Chemotherapie nicht alles essen. Wechselwirkungen durch Hefegebackenes oder bestimmte Gemüse mit den Chemomitteln und gleichzeitig ein unbändiger Heißhunger auf Pikantes. Um dann Tomaten in einem Salat zu haben, die nach Banane schmeckten. Geschmacks- und Geruchssinn verändern sich während der Krebsbehandlung. Was alle wissen: oft herrscht Übelkeit vor. Aber was tun dagegen? Mittel wie Odansetron oder Zofran helfen gegen die Übelkeit. Ansonsten hat mir geholfen: mich auf Tag 8 freuen wenn ich wieder Brot essen durfte. Mich auf die Pausenwoche zwischen den Chemos freuen und essen zu gehen. Und heute? Bin ich SO DANKBAR alles essen zu können. Halte durch. Es ist nur ein kleines Kapitel in Deinem Leben

Mittwoch, 7. August 2019

Bucket List - Löffelliste

Als ich krank wurde, war mir der Begriff der Bucket List nicht bekannt. Aber ich wusste, ich MUSS noch so viele Dinge erleben. Eine unbewusste Bucket List hatte ich also. Ich habe seither viele Dinge erlebt. Aber vor allem viel gearbeitet und nie frei gehabt. Man kommt allzuschnell in so eine Alltagsmühle und tut nichts mehr für sich außer vielleicht was Schönes essen oder so. Hier und da mal eine Tasse Kaffee mit Freunden und ein Theaterstück oder Konzert, das war´s aber auch schon. Und dazwischen die Nachsorge oder Vorsorge, ja, wieder einen Termin überlebt.
Letztes Jahr schrieb ich dann meine Bucket List. Ich habe nicht viel davon abgehakt. Dann starb Stef. Und vorher noch jemand aus meinem Umfeld. Alle jung, alle eigentlich fit und gesund.
Ich habe mir dann für 2019 viel vorgenommen. Und viel schon abgehakt :) Doch wieder lacht das Leben über meine Gedanken und ändert Dinge. Aber zwischendurch hake ich die Löffelliste weiter ab. Ich war einen Tag am Meer, bevor wieder die Pflicht ruft.
Erholung pur!

Sonntag, 20. Januar 2019

10 Years - 10 Jahre

Alle machen diese 10 Years Challenge - ich mach mit, wenn auch ein wenig geschummelt. Ich habe momentan ein so müdes Gesicht, dass das rechte Foto ein paar Monate alt ist. Und links ist 2008 entstanden, aber im Januar 2019 habe ich auch noch Glatze und Kopftuch getragen. Also - bittesehr :)

Donnerstag, 1. November 2018

21. Oktober

Immer, wenn sich im Oktober der Tag jährt, an dem ich erfahren habe, dass der Krebs durch die Chemotherapie weg ist und ich nur noch prophylaktisch bestrahlt werden muss, feiere ich eine Art Zweitgeburtstag. Ein Tag für mich. Dieses Jahr, zehn Jahre nach meinem Krebs, nehme ich gerne im Brustkrebs-Monat an der Aktion #gibachtaufdich der Kooperationsgemeinschaft Mammographie teil. Einerseits um Dir zu sagen, geh hin, lass dich durchchecken. Ich selbst gehe jährlich, weil ich in dem Bereich bestrahlt wurde und weil es familiäre Vorbelastungen gibt. Andererseits ist diese Aktion wichtig für mich persönlich, weil ich nach all dem Behandlungsmist, einer Zeit, die komplett durchgetaktet war, immer dachte, ich sei unkaputtbar. Ich hatte ja überlebt. Allzuschnell kam der Alltag: Müdigkeit ignorierte ich und die Beschwerden durch verfrühte Wechseljahre ebenso. In den letzten drei Jahren nur 6 Urlaubstage, ich mag ja meinen Job. Verpflichtungen wahrnehmen, bis ich kaum noch laufen konnte, es wird ja Anwesenheit von mir erwartet.. Gib Acht Auf Dich! sage ich mir nun öfter und erinnere mich Dank der Aufkleber und Geschenke der Mammomädels selbst daran, dass mein Leben und meine Gesundheit mit gehören. Nur mir. Und darum geh BITTE auch zur Vor-&Nachsorge









Sonntag, 17. Juni 2018

Das Leben mit Leben füllen: Ein Tag in Hamburg mit Jessie J und ELI Konzert

Für ein Konzert nach Hamburg fahren und nachts wieder nach Hause, weil ich am nächsten Tag arbeiten muss? Kann ich :D 24 Stunden unterwegs, die sich absolut gelohnt haben.
Auch die Bahn hat mitgemacht und so gut wie alle Verspätungen wieder eingefahren. Dankeschön :D Zunächst ging es für mich an meinen geliebten Elbstrand. Ich war zuletzt vor drei Jahren hier - viel zu lange her ist das! Sonne und ein kleines Gefühl von Meer - wie ich das liebe.


Dann wollte ich gerne einmal auf der Großen Freiheit/Reeperbahn Olivias Clubs sehen - von außen, denn abends sollte ja das Konzert sein. Mit dem Schiff, Linie 62 geht´s übers Wasser ganz schnell, den Feierabendverkehr meidend, und dann zur Reeperbahn zu Fuß weiter.

Ganz in der Nähe kann ich ein Restaurant empfehlen: Do Mundo, Silbersackstraße - im Internet steht, es sei ein portugiesisches Restaurant, aber ich würde es türkisch nennen 💗😀 Die Portionen sehr riesig und als Überraschung auch noch eine Vorspeise mit Salat - mega!

Direkt vor dem Lokal geht´s zur U-Bahn und die S1 fährt in Richtung Poppenbüttel dann auch zum Stadtpark. Dort gibt´s eine süße Freilichtbühne, ein überschaubares Gelände bis maximal 4000 Besucher, mitten im Grün, von hohen Hecken umsäumt.

Die Karsten Jahnke Konzertagentur hat vorbereitend eine sehr gute Website mit FAQs, sodass ich wusste, ich darf nur mit ganz kleinem Gepäck reisen und auch nicht shoppen gehen.
Am Einlass wird man abgescannt, Frauen und Männer getrennt, und es wird in die Taschen geschaut - größte Sicherheit bei sehr lieben freundlichen Einlassmenschen. "Wollen Sie verreisen?" fragt mich die junge Dame und ich: "Ja, ich fahre heute Nacht noch nach Baden-Baden zurück und ich habe vorher beim Ticketservice nachgefragt ob ich ein Buch mitnehmen darf" Wow, sie lacht und ich darf rein. Auf der Website steht, dass nur Gymbags oder Taschen bis Größe DIN A 4 erlaubt sind, daran habe ich mich gehalten, aber ob nun ein Buch "nur das Nötigste" ist, was man mitbringen darf, da musste ich halt lieber nachfragen.

Ganz gesittet warten übrigens die Menschen in der Schlange an der hohen Parkhecke entlang, obwohl man schon bald ELI singen hört. Der junge Mann aus der Telekomwerbung war der Grund, weshalb ich auf dieses Konzert aufmerksam wurde. Ich verfolge seine Termine schon eine Weile, denn ich denke, ihn sollte man unbedingt live anhören und ansehen und eines Tages postete er "Support von Jessie J in Hamburg" und ich, die Tickettante, kaufte mir selbst an meinem Arbeitsplatz das Ticket. Jetzt ist es so, dass er Punkt 19:30h auf die Bühne geschickt wird obwohl auf der Karte 20h Beginn steht. Macht aber nix, der Einlass klappt zügig und man hört ja auch hier draußen alles. Und dann bin ich da: Von überall sieht man gut, das runde abgeteilte Gelände mit erhöhter Bühne ist wirklich ein kleiner Luxus mitten in Hamburg. ELI - ich glaub´s kaum - kennen gar nicht alle und wundern sich dass er deutsch spricht :D Ich find´s super, er erzählt ein bisschen und singt seine Hits und auch einen Coversong und etwas Unbekanntes. Hoffentlich hat er bald eine CD, die Stimme ist wirklich besonders.

Es regnet übrigens, aber es gibt Regencapes (Schirme sind verboten) und irgendwann hört der Regen auf und während Jessie Js Konzert gibt´s nur einen leichten Schauer.
Der Konzertbeginn ist wirklich großzügig ausgelegt. Nachdem ELI von der Bühne geht, wird etwa 15min umgebaut und dann passiert - nichts. Eine Playlist aus den 90ern wird rauf und runter gespielt und die Kiddies um mich rum singen trotzdem mit. Ich bin da ehrlich gesagt ein wenig erstaunt aber es ist auch lustig. 20:35h geht´s dann endlich los - Jessie J beeindruckt mit Geschichten aus ihrem Leben und der Liebe zu den Menschen. Sie bittet, die Smartphones runter zu nehmen und die Erinnerung an sie und das Konzert in unseren Herzen zu behalten. Sie erzählt von ihrem Großvater, findet im Publikum jemanden aus China, wo sie einige Monate gelebt hat und berührt sehr mit ihren Worten und der Bitte, sich selbst wichtig zu nehmen.


Das Leben mit Leben zu füllen und gut zu sich zu sein. Anders als bei anderen Konzerten, bei denen ich eher auf die Musik warte und das Reden gern überspringen würde merke ich, Jessie J könnte ich noch ewig zuhören - sie hat etwas zu sagen. Und zu singen. Sie meint, wenn man einen ihrer Songs mitsingt, sollen wir es einfach so singen als ob es für uns sei, wir sollen es uns selbst sagen. Nur bitte nicht so laut mitsingen jetzt beim Konzert, wenn wir wissen dass wir nicht singen können, damit der Nebenmann auch ein bissl was von ihr hat :D Herrlich!
Ich hoffe, sie schreibt mal ein Buch, denn sie ist alles andere als ein Popsternchen. Sie hat wirklich Power und Achtsamkeit in sich.

Samstag, 17. Februar 2018

Haarpflege als Intensivkur nach all den Jahren :)

Ich finde man wird zwar stark durch den Krebs, aber je länger das Kämpfen zurückliegt, umso mehr kehrt der Alltag wieder ein und das Eilen und Hasten und wenig Innehalten. Umso schöner, wenn es auch fast 10 Jahre danach immer noch besonders ist, sich etwas Guteszu tun. Ich habe mir diese Woche neue gesunde Haarpflege ohne unnötige Zusatzstoffe bei Zitronellas-Seifenkiste bestellt und freue mich total darauf, sie auszuprobieren





Geschmack



Ich erinnere mich gut an den besonderen großartigen Geschmack von Gebäck wie zB ein Croissant am 8. Chemotag während BEACOPP. Vorher sollte ich es wie noch einige andere Lebensmittel weglassen wegen der Nebenwirkungen zusammen mit den riesigen Chemotabletten. Noch heute ist es nicht selbstverständlich für mich, alles essen/genießen zu dürfen. Das ist wirklich ein Privileg. Übrigens wusste ich heute vor 10 Jahren noch nichts von meiner Diagnose wenige Wochen später. Krebs tut nicht weh und es war Glück, dass man ihn bei mir so früh fand Pass gut auf Dich auf und schönes Wochenende

Dienstag, 15. November 2016

Der Club der Roten Bänder berührt mit Staffel 2

Wer dachte, dass eine zweite Staffel der ersten nach dem Weltbestseller von Albert Espinosa nicht das Wasser reichen könne, hat sich getäuscht - auch ich. Ich liebe diese Serie und ich liebe es, die Geschichten weiter erleben zu dürfen. Hier die besten Zitate der ersten beiden Abende:











Mittwoch, 17. August 2016

LEA

Vor nicht allzu langer Zeit wurde ich von der LEA-Redaktion angesprochen, ob ich hier nicht mitmachen möchte - und ich wollte :D Heute frisch erschienen und mit mir erzählen noch zwei weitere Jessicas von ihrer Krebsgeschichte



Sonntag, 14. August 2016

Eisshake gegen Bestrahlungsweh

Hallo meine Lieben, ich stehe ja total auf Eis. Während der Bestrahlung hatte ich eher Appetit auf pikante Sachen aber Pistazienshake ging auch :D Habe mich letzte Woche daran erinnert als ich After Eight Eis als Shake bestellt hatte. Also wegen der Schluckbeschwerden, hervorgerufen durch die Entzündung nach der Bestrahlung - Eis lindert es ein wenig. Die Schmerzen gehen aber auch recht schnell wieder weg. Habt alle einen schönen SONN-Tag


Donnerstag, 28. Juli 2016

endlich als Taschenbuch erhältlich!

Hurra hurra! Neobooks von Droemer Knaur hat neuerdings eine Koopoeration mit epubli- klar dass ich die neopubli GmbH in der Prinzessinnenstraße dann mal gleich getestet habe :D Ich liebe es! Sie machen mich zur Buchprinzessin :D Und Ihr könnt das Taschenbuch ab sofort zum Preis von 12 Euro inkl Versand bei mir bestellen, Mail genügt :D


Freitag, 8. April 2016

Droemer Knaur Interviewfragen nach 5 Jahren mal neu beantwortet

Vor fünf Jahren habe ich Droemer Knaur ein Interview gegeben, dessen Fragen ich nun mal neu für Euch beantwortet habe, denn es hat sich Einiges geändert:

Beschreiben Sie sich mit drei Worten!
humorvoll - zurückgezogen - liebevoll

Was macht Ihnen schlechte Laune, was macht Ihnen Freude?
schlechte Laune: Das Nichtrespektieren von Grenzen.
Freude: Katzen, Hunde, Playmobilfotos

Sie können Frühstück, Mittag- und Abendessen an drei unterschiedlichen Orten auf der Welt einnehmen – wohin führt Sie diese Reise? 
An die Nordsee oder zuhause mit Herzensmenschen. Ich muss nicht mehr in die Ferne schweifen.

Kaffee oder Tee? 
wenn ich arbeite: Kaffee. Wenn ich frei habe: Tee. Meine Lieblingsapothekerin hat mir eine ganz gesunde Grünteemischung zu Weihnachten geschenkt, der ganz leicht zitronig ist, der ist wundervoll.

Woher kommen die Inspirationen zu Ihren Büchern? 

Das Leben selbst schreibt die besten Geschichten stimmt immer noch :D


Neben der Arbeit als Schriftsteller – was wären alternative Berufe für Sie? Und warum?
Ich habe den perfekten Job als Leitung des Ticketservice Trinkhalle in Baden-Baden mit den besten Kollegen und Gästen. stimmt auch immer noch :D


Haben Sie einen Lieblingsautor? Wer ist es und weshalb?
Ich mag Astrid Lindgren, Michael Ende, Armistead Maupin, Susanna Tamaro, Sabine Kornbichler und Christine Vogeley – aber es gibt so viele tolle Autoren und Bücher, dass ich mich nicht auf einen festlegen kann. Bei all den genannten kann man abtauchen und das ist für mich wichtig. Ergänze ich noch: Elke Weigel, Mirjam Müntefering, Patricia Koelle

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen? 
ich lese gerade Cornelia Scheels aktuelles Buch für phenomenelle.de, davor Elke Weigel Sterben in Schwarzweiß für dieselbe Seite

Welches Buch sollte jeder einmal gelesen haben?
Khalil Gibran: Der Prophet

Welche Person – aus Roman, Film oder dem öffentlichen Leben – würden Sie gerne treffen? Und was würden Sie zu ihm/ihr sagen? 
Inzwischen habe ich alle Menschen treffen können, die mir wichtig sind. Zuletzt Hella von Sinnen, das war ganz besonders. Außerdem achte ich mehr auf Begegnungen und Gespräche im Alltag, denn auch nicht bekannte Menschen haben eine Menge zu sagen. Ein wenig wie "Hector" von Francois Lelord, der ständig Menschen begegnet und die daraus resultierenden Weisheiten notiert. Oder der Kleine Prinz, der ebenso "rumkommt" :)

Bei welchem historischen Ereignis wären Sie gerne Zeuge gewesen? 
Nachdem ich Sufragette im Kino gesehen habe und die Geschichte so Gesichter bekommen hat, wäre ich da gerne Mitkämpferin gewesen.

Wenn Sie die berühmten drei Wünsche frei hätten, wie sähen sie aus?
1. Dass niemand mehr an Krebs oder einer anderen Krankheit viel zu früh sterben muss.
2. Sorglos sein.
3. Genügend Geld um zB den Verein Feliz Animal oder unser Brahmshaus mehr zu unterstützen

Was ist Ihre Lebensphilosophie? 
genieße jeden Tag.
Haben Sie schon das nächste Projekt im Kopf?
Es ist sogar fast fertig, nur komme ich immer weniger dazu, mich in Ruhe hinzusetzen und zu schreiben. Mein Krebs heisst Leben schrieb ich ja während meiner Behandlungszeit, da hatte ich sonst nicht viel zu tun. Jetzt arbeite ich sehr viel und verbringe meine Freizeit nicht vor dem Computer. Aber ich schreibe viel und gern für phenomenelle.de
Es ist ein Buch über Katzen und die Weisheit, die ich aus dem täglichen Leben mit diesen Wesen geschöpft habe. Tiere sind keine niedrigeren Lebewesen als Menschen. Genau wie Pflanzen, die uns die tägliche Luft zum Atmen spenden sollten wir sie respektieren und achtsam behandeln. 

Ich liebe den Frühling!

Dienstag, 22. März 2016

HELLA VON SINNEN





Eine Frau, über die jeder eine Meinung hat - Sie wird gemocht, sie wird nicht gemocht - wie sie selbst in ihrem Bühnenprogramm Ich kann auch ANDERSen erzählt, bekommt sie sogar schlechte Kritiken wenn sie nur im Publikum sitzt.
Sie unterhält uns seit mehreren Jahrzehnten auf ihre ganz eigene Art, liest Micky Maus, liebt Disney im allgemeinen und erzählt uns heute Andersen-Märchen. Ich treffe Hella von Sinnen nach ihrem Auftritt in Baden-Baden.

Als Teenager habe ich vor 25 Jahren ihr Buch ICH BIN´S - VON SINNEN gelesen und dachte: "hurra, ich bin normal". In Zeiten ohne Internet und mit meist nur drei bis vier Fernsehprogrammen (RTLplus bloß mit Rauschen und Schnee, nicht weit vom Testbild entfernt, immer wieder an der kleinen Antenne gedreht, damit das Bild ein wenig besser würde), hatten wir nicht die Möglichkeiten wie heute.
Lesbisch - das war fremd, das war allenfalls mal ein Artikelchen in einer Jugendzeitschrift wert. Aber Vorbilder, Persönlichkeiten? Für Tennis interessierte ich mich nicht und Martina Navratilova wirkte so alt auf mich. Das hatte nichts mit meinen Gefühlen zu tun. Mit jemand darüber sprechen? Auf keinen Fall!
Man hat ja so viel um die Ohren in der Pubertät.
Doch dann, DAS Buch. Es klang darin alles so einfach. Es wurde schlüssig für mich, was ich selbst schon lange fühlte. Mittlerweile ist es abgegriffen und leicht vergilbt. Ich habe über die Jahre immer mehr darin angestrichen. Immer in Blau, passend zum Cover. In den Zeilen dieser bunten Frau aus dem Fernsehen, die so viel wusste, fand ich mich wieder - ich war erleichtert, "richtig" zu sein. Noch heute ist dieses Buch für mich eines der wichtigsten überhaupt.

Ihr Coming Out, erzählt sie mir heute, war mehr der Mut von Cornelia Scheel damals als ihrer. Bis jetzt - vor allem nachdem diese 2015 das Buch "Mildred Scheel - Erinnerungen an meine Mutter" veröffentlichte - erzählen ihr Frauen, wie wichtig es für sie war. Eine ging zum Beispiel zu ihren Eltern und sagte "So. Ich bin genau so wie die Tochter unseres ehemaligen Bundespräsidenten".
Akzeptanz und Geliebtwerden, das wollen wir doch alle. Und lieben. Doch wenn man nicht weiß, was man "darf" - darum war Hellas Buch so wichtig für mich. Außerdem ist es heute durchaus auch wieder nützlich, denn ich könnte ihre Antworten auf Journalistenfragen, die sie freundlicherweise im hinteren Teil des Buches eingefügt hat, einfach abschreiben.

Doch ich möchte mehr wissen. Sie sagt, "ich bin auch respektiert und akzeptiert in der Branche und das tut gut". Dass Cornelia damals sogar ihren Job verlor, ist in der heutigen Zeit fast unvorstellbar. Aus Hellas Wunsch im Buch, dass in zehn Jahren das Spießrutenlaufen Vergangenheit sein möge, ist nach fünfundzwanzig Jahren tatsächlich Wirklichkeit geworden. Anne Will, Miriam Meckel, Guido Westerwelle, der am Tag zuvor verstarb und an dessen Ehemann Michael Mronz wir alle denken - in unserer Gesellschaft dürfen wir SEIN. Und das nicht zuletzt, weil Hella damals gesagt hat "ich bin´s". Das bereicherte uns alle.

Wir sprechen auch über Verlust. Damals im Buch blickte sie auf ihre ersten 30 Lebensjahre zurück und stellte fest, dass "Schlappen, Misserfolge" durchaus im Nachhinein auch etwas Positives hatten. Wie es heute ist, möchte ich wissen, nicht unbedingt beruflich, sondern so als Mensch. Sie wirkt nachdenklich:
"Was uns nicht umhaut macht uns stärker. Es gehört einfach zum Leben dazu. Aber zum Beispiel mit Abschieden, Verlust umzugehen, das ist nun nicht meine Kernkomeptenz. Aber es wird besser."
Über Dirk Bach erzählt sie, der viel zu früh gehen musste und der ihr sowohl beruflich als auch privat fehlt, der aber bei jeder Entscheidung, bei jedem Schmerz und jeden Tag bei ihr ist:
"Sehen Sie, es ist nicht nur die Liebe, das Herz, der Kopf, die Erinnerung - er ist einfach bei mir."
Wir sprechen über Wiedergeburt, weil sie es auch im Buch erwähnt und auch weil ich mir vorstelle, dass die Verbindung zu Andersen vielleicht daher kommen kann. In Bezug auf Dirk Bach führt sie fort: "Die Liebe, die Energie, die stirbt nicht, Die ist bei mir und umhüllt mich".

Ob sie Andersen in einem anderen Leben gekannt habe, darüber hat sie noch nicht nachgedacht. Oder ob sie vielleicht Andersen war? "Ich fühle mich wohl in seinen Wörtern", erklärt sie, "und von dieser ganz starken gefühlsmäßigen Verbundenheit bin ich immer aufs Neue geflasht."
Sie beide verbindet sonst eigentlich recht wenig. Er ist gerne gereist, sie inzwischen lieber zuhause: "Ich komme nach Thailand, Sibirien - wenn ich im Bett fernsehe".
In ihrem Bühnenprogramm folgt darauf dann gleich ein Anekdötchen mit ihr und Cornelia in Dresden. Wir lachen Tränen. Dort war sie 3-4x, Andersen über 40x. Während er eine gute Mischung aus Naivität und Selbstvertrauen besaß, nennt sie sich "Das Etepeteteste, was ich kenne" - weil man hier im Badischen das Wort "fimschig" nicht kennt :)
Die Prinzessin auf der Erbse - in Bezug auf Mohnbrötchenkrümel im Bett erspüren sei sie ja dann Königin. Das Publikum brüllt vor Lachen.
Es sind die kleinen Dinge, die sie die Märchen und das Leben miteinander verbinden lässt. Ihr Leben. Auch auf der Bühne spürt man ihren Respekt vor den Menschen.
Harry Rowohlt wird genannt, Dank dem sie Winnie Pooh gelesen hat.

In unserem Gespräch erzählt sie, wie privilegiert sie sich fühlt: Sie spricht mit Respekt von Disney-Zeichner Don Rosa, mit dem sie 2014 bei der Buchmesse an einem Tisch saß, Nachfolger von DEM Disney-Zeichner überhaupt, Carl Barks, aus dessen Gesamtwerk sie ihre Lieblingscomics veröffentlichen durfte.
Seit sie 2008 zum ersten Mal den Erlanger Max und Moritz Preis co-moderiert hat, interessiert sie sich auch für Graphic Novels. Und dann natürlich für Andersen, dessen Werken wir lauschen und aus dessen Tagebüchern sie uns ebenfalls vorliest.
Sie gibt im bunten Märchen-Overall "die Stopfnadel" oder "die Teekanne" und man nimmt es ihr einfach ab. Sie IST in diesem Moment der Flachs, der Schneckenvater, all jene Figuren, die Andersen zu Papier gebracht hat.
"Ja, ich bin ein seltsames Wesen" ist der Titel der Andersen-Tagebücher. Hella von Sinnen weiß dieses Wesen einen Abend lang zum Leben zu erwecken und seine Märchenfiguren gleich mit. Man bekommt Lust darauf, weiterzulesen, zuhause dann, wenn der Abend nachklingt.
Ihre Stimme vielseitig beim Vorlesen, dann wieder "et Helli" wenn sie erzählt. Ich vergesse so manches Mal alles um mich herum und sehe die Bilder vor mir, die sie beschreibt.

"Sie könnte auch das Telefonbuch vorlesen", sagt eine Dame neben mir fröhlich und alle um uns nicken lächelnd.
Denn von den Wechseljahren das badische "Hormonpflaschter" mit dem speziellen Singsang sofort zu übernehmen und von der Bühne runter mit dem Publikum zu kommunizieren, kann auch nicht jede. Dann wieder den Bogen gespannt zu kriegen zu "Gülle, Parmesan und Tod", Geschenken von der Tante und Wassermelonen, das ist dann nur noch hohe Kunst.

Das Bühnenprogramm heißt "Ich kann auch ANDERSen". Ja. Ganz anders(en): Heute habe ich Hella von Sinnen als eine Frau erlebt, die zugleich Schauspielerin, Erzählerin und einfach ganz sie selbst ist. Mit wichtigen Freundschaften, mit Lebensbegleitern und dem Humor, der sich Ampelmännchen in Overalls in Gummersbach vorstellen kann - Andersenmännchen in seinem Geburtsort Odense sind schließlich längst vorhanden. Mit einem Augenzwinkern erzählt sie uns zum Teil dramatische Märchen, aber auch ihren Alltag, wenn ein LKW nur rückwärts fährt.

Im Buch finde ich den Satz angestrichen: "Die meisten haben Respekt vor dem aufrichtigen Gefühl".
Das umschreibt für mich die ganze Person und diesen wunderbaren Abend.
Dankeschön :)



Bücher:
Ich bin´s - von Sinnen
nur noch über Antiquariat
ISBN-13: 978-3442305766
Goldmann Verlag

Des Wahnsinns fette Beute
Macken und Marotten auf der Spur
ISBN-13: 978-3499627637
Rowohlt

Mildred Scheel - Erinnerungen an meine Mutter
Cornelia Scheel, Rowohlt Verlag
ISBN-13: 978-3498060879

Andersen: Ja, ich bin ein seltsames Wesen
Wallstein Verlag
ISBN-13: 978-3892444015

Liebe, Lust und Leidenschaft
Die Ducks von Sinnen
ISBN-13: 978-3770433100
Ehapa Verlag

Mittwoch, 3. Februar 2016

STEFFEN VERLAG: Unser Leben mit Krebs (Buchtipp)

Ich muss mich zuallererst beim Steffen Verlag entschuldigen: Ich habe das Buch nun schon ein halbes Jahr und immer wieder darin begeistert und berührt gelesen und lange keine Worte gefunden, es für Euch mal zusammenzufassen.
Nicht immer braucht es viele Worte, doch dieser Band ist ein Kleinod, eine absolute Hilfe für Betroffene und Angehörige, aber auch Lesebuch oder Lebensbuch für Interessierte.
So etwas hätte ich damals gerne gehabt, als ich krank wurde.

36 ganz unterschiedliche Personen berichten hier via Interview und Zitaten von ihrer ganz eigenen Krebsgeschichte. Herausgeber ist das Institut für Sozialforschung und berufliche Weiterbildung Neustrelitz. Im hinteren Bereich des Buches werden sowohl Fotograf als auch Autorinnen und Sponsorin vorgestellt und damit auch ganz persönlich ihre Erlebnisse, den Zusammenhang mit Krebs vorgestellt.
Die Schwarzweißfotografien lassen uns in Wohnzimmer schauen, in Gesichter, die vom Leben erzählen, aber auch vom Schmerz und vom Heilen.
Handgeschriebene eigene Zitate der 36 Menschen runden das Ganze ab. Es ist sicherlich ein Buch, das man nicht "in einem Rutsch" durchlesen kann, schon gar nicht wenn man seine eigene Geschichte so nah fühlt, egal wie lange sie vorbei ist.

Aber man kann aus allem die Hoffnung mitnehmen, dass man überlebt, das Wissen, dass man intensiver leben lernt und das Gefühl von Glück, wenn eine Behandlung endlich vorbei ist. Beispielsweise Christine, die sagt:
"38-mal das Klicken der Türen,
38-mal das Summen der Geräte,
38-mal lautlose Strahlen, die die Kraft aus meinem Körper zogen...."
und sofort habe auch ich Bilder und Geräusche wieder im Kopf. Dennoch oder gerade deshalb sagt sie "carpe diem" und jeder Krebsi weiß was sie meint. Denn auch wenn wir Tage, Wochen in der Klinik verbrachten, so zählte doch immer jeder einzelne Moment. Und Zeit, die sich wie Kaugummi zieht ist gleichzeitig ganz schnell vorüber und man ist überrascht. All diese gegensätzlichen Gefühle und Erfahrungen beschreibt dieses Buch.

Ich beantworte Euch nun auch die Fragen, die die Interviewer stellten (und die ich zum Teil auch aus der Hodgkin-Forschung mit ihren Fragebögen kenne) - allerdings viel kürzer als in den 36 Berichten und mit dem herzlichen Tipp, Euch das Buch zuzulegen.

Wie hat die Diagnose Krebs Ihr Leben und das Ihrer Familie verändert?
Zunächst wurde ich glücklicher und dankbarer für das Leben. Dann jedoch, als der Alltag kam, regte ich mich auch wieder über kleine Dinge auf und das ärgerte mich. Einmal im Jahr - bei der Nachsorge - werde ich dann daran erinnert, wie kostbar Leben ist. Und bin wieder dankbar. Ich tue mehr für mich. Das muss mein Umfeld akzeptieren, sonst hat da schnell jemand keinen Platz mehr.

Was hat sie getragen? Wo fanden Sie Unterstützung?
Natürlich meine beiden Ärzte, der Onkologe und meine Hausärztin. Ihnen durfte ich immer alle Fragen stellen und das waren nicht wenige und immer hatten sie Zeit für mich. Aber vor allem meine damalige Partnerschaft. Es hat nie vorher jemand so viel für mich getan und ich lernte dadurch es zuzulassen - auch jetzt danach fällt es mir dadurch leichter Hilfe anzunehmen.

Was war und ist Ihre größte Herausforderung im Umgang mit der Krankheit?
Das Wartezimmer. Damals wie heute Ohren auf Durchzug - denn mich interessiert es nicht wer die meisten Tumore oder den schlimmsten Krebs hat. Mich zieht es zu Menschen, die nach vorne blicken und fast trotzig sagen "na und? Ich schaffe das!"

Was möchten Sie anderen Betroffenen und ihren Familien sagen?
Sprecht miteinander. Und wo Worte zuviel sind, haltet einander. Das gilt für fast alles im Leben.

Jess.


http://steffen-verlag.de/sachbuch/1097/unser-leben-mit-krebs-36-selbstauskuenfte-die-mut-machen



Dienstag, 19. Januar 2016

IKEA-Papierlampe reparieren

Holmö, Duderö - all diese Papierlampen von IKEA machen ein schönes Licht. Aber wenn man Kinder oder Katzen hat, halten die Lampenschirme nicht ewig. Eine habe ich ja schon einmal mit einem Stoffzylinder überzogen hier vorgestellt. Im Sommer mussten zwei weitere dran glauben, denn die Katzenkinder fingen wie Hiphopper um eine brennende Tonne stehend arme Fliegen. Und patsch! war ein neues Loch im Papier. UPS! Ein fragender Blick zum Menschen, der ganz cool "macht nichts" murmelte. Peng! Die nächste Fliege wurde verfolgt. Und eins der Katzenkinder steckte den ganzen Kopf in den Zylinder um besser dran zu kommen und dann wurde auch noch der Schatten des Katzenkopfes vom Rest verfolgt :) Jetzt ist endlich Bastelzeit und hier meine Collage zu einer Patchworklampe:

Du brauchst:
Die Lampe inkl. kaputtem Lampenschirm
Eine gute Schere
Alten Stoff, Stoffreste - in Bahnen geschnitten.
Etwas Spitze und Geschenkbänder, alles was Dawanda so im Sale hat oder der Stoffladen um die Ecke. Wir haben noch Stoffe vom Kissennähen übrig und in Streifen geschnitten. Wichtig sind ein paar längere, damit man vier bis fünfmal alle Ringe der Lampe miteinander verbinden kann um den Schirm stabil zu machen.
Am Ende kommt nämlich das Papier fetzenweise ab.

Dann geht´s los:

Durch die bereits vorhandenen und neue mit der Schere gestanzten Löcher im Wechsel schmale und breitere Stoffbahnen von unten nach oben ziehen (also die Lampe zuerst der Länge nach bearbeiten), sodass immer ein Ring über, ein Ring unter dem Stoff ist. Beim nächsten genau umgekehrt vorgehen, damit man später quer "weben" kann. Immer mal auch Stoffe und Ringe miteinander verknoten, das macht es stabil. Sobald Papier im Weg ist und die Bahn fest hält, das Papier einfach abreißen.

Dann von oben nach unten quer weben und dabei die Ringe verknoten und in Form ziehen wenn das restliche Papier abgerissen wurde.

Mit Spitzenborte alles umwickeln, mehr Deko als Halt :) und natürlich auch ein prima Spielzeug für die Katzen :)))

Zum Schluss alles in Form ziehen (manche Stoffe rollen sich etwas zusammen) und Licht an:

Klick aufs Bild vergrößert es :)