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Donnerstag, 5. Mai 2016

phenomenelle-Rezension: Mildred Scheel-Erinnerungen an meine Mutter von Cornelia Scheel

Der prägendste Mensch für Tochter Cornelia

Ein Buch über den prägendsten Menschen im Leben zu schreiben ist schon für sich eine große Sache. Die eigene Kindheit nochmal zu durchleben würde mir persönlich schon genügen.
Dass Cornelia Scheel – heute im selben Alter wie ihre Mutter als diese viel zu früh verstarb – eben jene wichtige Zeit im Detail beschreibt, muss schmerzend und heilsam gleichermaßen gewesen sein.
Scheel spricht mit Freunden und Angehörigen, um die eigenen Erinnerungen zu vervollständigen und das macht das Buch zu einer Sammlung von Ansichten und Anekdoten über einen Menschen, der zum einen liebevolle Mutter, zum anderen Politikergattin und Ärztin gewesen ist. Nicht nur das: Mildred Scheel gründet 1974 die Deutsche Krebshilfe und legt damit den Grundstein für Aufklärung, Forschung und Begleitung und hält lange Zeit sogar ihre eigene Erkrankung geheim, um anderen Erkrankten und der Gesellschaft nicht den Glauben an eine Heilung zu nehmen (“Ich darf nicht sterben….denn sonst wirft das die Arbeit der Krebshilfe um Jahre zurück”).
Mich berührt das Geschriebene vielleicht besonders, weil ich auch schon Krebs-Hilfe bekommen habe.

Mildred Scheel war mir immer “irgendwie bekannt”

Mildred Scheel war lange vor meiner eigenen Bonner Zeit in der Stadt wohnhaft. In der alten Bonner Bundesrepublik war die Villa Hammerschmidt der Wohnsitz des Bundespräsidenten. Dennoch war sie mir schon immer “irgendwie bekannt”. Als ich dann selbst an Krebs erkrankte und nur noch Hartz IV bekam, half mir die Krebshilfe mit einer Einmalzahlung aus – die Klinik hatte mich dabei unterstützt.
Als ich wieder gesund war, konnte ich mit dem Erlös aus meinen Buchlesungen das Geld doppelt zurückgeben.
Dass die Krebshilfe, Mildred Scheels “viertes Kind” aber tatsächlich ausschließlich von Spenden am Leben erhalten wird, habe ich nicht gewusst. Darum finde ich es doppelt schön, dass am Ende des Buches der Krebshilfe-Vorsitzende Gerd Nettekoven zu Wort kommt. Krebshilfe-Präsident Fritz Pleitgen wird weiter vorne zitiert:
Die Deutsche Krebshilfe ist eine Jahrhundert-Organisation, gegründet von einer Jahrhundert-Frau.
Und dieser Satz beschreibt sie mit wenigen Worten ganz wunderbar. Sind doch die “Blauen Ratgeber” der deutschen Krebshilfe die erste Hilfe, auf die Erkrankte und Angehörige im Internet oder in den Warteräumen der Onkologie stoßen. Meiner Meinung nach übrigens auch das Einzige, was man lesen sollte wenn man die Diagnose Krebs bekommt – alles andere macht einen nur verrückt.

Kinder wichtiger als Besprechungen

Cornelia Scheel berichtet sehr offen von der Nähe zur Mutter, aber auch von Auseinandersetzungen oder dem Leben mit ihr ganz allgemein. Eine Mutter zum Spaß haben, aber auch mit einer gewissen Strenge, die immer für die Kinder da. Und die nach Dienstschluss die Telefonate der Krebshilfe zu sich nach Hause umleiten lässt, damit Hilfesuchende ihre Hilfe bekommen.
Eine Frau, die die Kleidung trägt, die sie mag – egal ob die einzelnen Teile zusammenpassen oder nicht. Während wichtigen Besprechungen nimmt Mildred Scheel die noch wichtigeren Anrufe ihrer Kinder entgegen. Sie reagiert “spontan und ungefiltert nach ihrem Bauchgefühl” und adoptiert nach zwei eigenen Töchtern noch einen kleinen Jungen. Über den Bruder schreibt Cornelia Scheel:
Ich bin jeden Tag dankbar und glücklich, dass dieser wundervolle Mensch Teil meines Lebens ist.
So kommt auch das Gefühl zwischen den Zeilen immer wieder an: Dieses Buch steckt voller Wertschätzung und Liebe.
Ich glaube, dass auch deshalb diese besondere Lebensgeschichte etwas mit einem macht. Eigentlich sind es ja zwei Lebensgeschichten, auch die der Cornelia Scheel, die so eng mit der Mutter verbunden ist und sie so sehr spürt, dass sich dieses Gefühl auf mich als Leserin überträgt.

Mildred Scheel war eine Menschenliebhaberin

Die Hochachtung und der Respekt für all die Unwägbarkeiten des Lebens, denen Mildred Scheel nicht ausgewichen ist, schwingen im ganzen Buch mit. Auch die große Liebe zu Walter Scheel und den Menschen ganz allgemein, fasst die Tochter in Worte. Aber auch das Knallhartsein der Mutter, wenn etwas in ihren Augen nicht korrekt lief. Man möchte diese Frau gekannt haben und ihr Lebenswerk unterstützen, aber auch Cornelia Scheel sagen:
Danke, dass nicht nur Andy Warhol ein buntes Portrait gezeichnet hat, sondern auch Sie!
Und zwar mit Buchstaben auf Papier, in einem gebundenen Buch, mit einer Mischung aus Privatfotos und aus der Presse bekannten Bildern.
Der Humor des Buches lässt mich manches Mal mehr als schmunzelnd zurück. Abergläubisch war die Ärztin Mildred Scheel. Weshalb sie morgens nicht mit dem linken Fuß aufstehen wollte und darum “kurz vor einer Hüftdysplasie” stand. Sie hatte Glücksbringer, die zum Beispiel wie eine alte Kartoffel aussehen. All jene Beschreibungen holen Mildred Scheel zurück in die Gegenwart. Ein Buch gegen das Vergessen? Nein, eine solche Frau kann man nicht vergessen, sie darf nicht vergessen werden. Aber auch Cornelia Scheel nicht, die so wunderbar diese alten Zeiten reflektiert, ihre eigene Person in den Hintergrund rückt und doch präsent ist, weil sie uns das alles erzählt, das Erlebte und das Nichterlebte, die Erinnerungen so vieler Menschen an ihre Mutter Dr. Mildred Scheel.
Danke, an beide Frau Scheels!
Gemeinsam mit Hella von Sinnen veranstaltet Cornelia Scheel Lesungen des Buches. Hella liest und Cornelia beantwortet Fragen. Lesungstermine findet ihr hier: Facebook Cornelia Scheel
Mildred Scheel: Erinnerungen an meine Mutter
Cornelia Scheel (mit Regina Carstensen)
Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: Rowohlt; Auflage: 3 (29. Oktober 2015)
ISBN-13: 978-3498060879
rowohlt.de/hardcover/cornelia-scheel-mildred-scheel
Wer mehr über Mildred Scheel wissen will, findet auf den Seiten der Deutschen Krebshilfe ein Kurz-Biographie: krebshilfe.de/deutsche-krebshilfe/dr-mildred-scheel-biografie. Meilensteine der Organisation sind hier aufgeführt: krebshilfe.de//40-jahre-deutsche-krebshilfe/meilensteine. Der Mildred-Scheel-Kreis, Förderverein der Deutschen Krebshilfe, braucht nach wie vor Spender_innen: krebshilfe.de/spenden/spenden-mildred-scheel-kreis.

Samstag, 19. Februar 2011

Hilfe - Diagnose Krebs

Heute springe ich mal ganz zurück zum Anfang. Was tun, wenn der Doc sagt "Sie haben Krebs!"? Bei mir war das irgendwie ganz einfach. Klar stand ich unter Schock und natürlich dachte ich, ich würde sterben - schnell aber kam von innen die Gewissheit, dass ich das schaffe. Ich bin dann von Anfang an recht offen damit umgegangen, kann aber auch jeden verstehen, der sagt, er behält das für sich. Ich habe drei tolle Ärzte gehabt und bin mir durchaus bewusst, dass das der absolute Luxus ist. Vertrauen zu können und alles fragen zu dürfen, verteilt auf drei Personen - das gibt´s selten. Auf jeden Fall kann ich Euch nur raten, egal, ob Krebs oder nicht, sucht Euch schon jetzt einen guten Hausarzt und macht da keine halben Sachen. Denn im Ernstfall kann der eine ganze Menge auffangen. Und erklären, wozu die Zeit in der Klinik vielleicht nicht reicht. Bei mir kam hinzu, dass ich die ganze Krebsbehandlung ambulant machen konnte. Fluch und Segen. Zum einen konnte ich in meinen 4 Wänden sein. Zum anderen gab es so manchen Nachmittag, an dem ich einen Rat oder medizinische "Beruhigung" gut hätte gebrauchen können. Dann braucht es eben Freunde oder andere nahe Menschen, mit denen man reden kann.
Auch geholfen haben die Broschüren der Deutschen Krebshilfe. Man kann sie bestellen oder downloaden. Ansonsten würde ich nicht viel im Internet lesen (haha, und wofür dann dieser Blog, Frau Gedöns??;O)), Vieles verwirrt hier nur.
Vergesst nie, auch wenn es hart ist, daran zu glauben, dass man es schafft, kann eine Menge bewirken. Dieses plattgeredete "Positive Denken" und ein gutes Gemüt können die Behandlung durchaus positiv beeinflussen. Ich bin mir sicher:

Auch DU SCHAFFST DAS!

♥

Sonntag, 14. März 2010

Leben - wovon?

Immer wieder begegnet mir der Krebs und immer wieder auch Menschen, die mich darauf ansprechen. Manchmal sehe ich jemanden, der seinen Kopf mit einem Tuch schützt, dann wieder steht ein neues Buch im Buchladen (leider immer noch nicht meins) oder ich bekomme eine Mail. Immer wieder kann ich nur eines: Hingucken und helfen, an das Gesundwerden glauben, Zuhören - mehr kann man nicht tun.
Was jedoch, wenn man auch noch Hartz IV bekommt oder anderweitig "arm" geworden ist? Ich bin sehr dankbar, dass ich die Deutsche Krebshilfe hatte. Hier gibt es neben den kostenlosen Broschüren auch den Härtefonds, der mit einer einmaligen Zahlung hilft.
http://www.krebshilfe.de/haertefonds.html
Bald gibts wieder einen Tipp - an dieser Stelle:o)

LESEPROBE: MEIN KREBS HEISST LEBEN